Deine Mutter

Allgemein:

Der Deine-Mutter-Witz ist nicht zu verwechseln mit dem Mutterwitz und eine Witzart, die sich Ende der 1990er Jahre im deutschen Sprachraum gebildet hat. Er kann als flacher Humor mit Ansätzen zum schwarzen Humor beschrieben werden. Dabei wird die fiktive Mutter des Gegenübers dadurch herabgesetzt und erniedrigt, indem ihr negative Eigenschaften wie Fettleibigkeit, Dummheit oder Hässlichkeit zuerkannt und diese dann wiederum mit absolut sinnfreien Sachverhalten verglichen oder gleichgesetzt werden.

Zur Geschichte:

Der Ausdruck “Deine Mutter hat sich vor allem in niedrigeren sozialen Gesellschaftsschichten in den 90er Jahren gebildet. Dabei handelte es sich um den Anakoluth einer Beleidigung, deren genauer Ausgang sowohl für den Sprecher als auch den Adressaten unerheblich war, da die Intension für beide Seiten bereits zuvor bekannt war. Daraus entwickelte sich mit der Zeit eine s.g. Passepartout-Antwort, die den Gesprächsverlauf ähnlich dem eines Totschlagarguments veränderte. So wurde der beleidigende Ausdruck “Deine Mutter” vor allem von Menschen mit Artikulationsproblemen und mit fremder Muttersprache durch Migrationshintergrund verwendet. Dies greift bspw. auch der Film “Dei Mudder sei Gesicht nicht nur mit dem Titel auf.

Später wurde diese Redewendung dann mit den negativen Vorurteilen einer amerikanischen “Big Mama” verbunden. Durch das Internet wurden die “Deine-Mutter-Witze” einer breiteren Bevölkerung abseits des erwähnten Milieus bekannt. Mittlerweile bedienen sich auch renommierte Comedians dieser Witzart, wie beispielsweise Carolin Kebekus bei ihrem Auftritt bei Cindy aus Marzahn und “Die jungen Wilden“. Auch bei Verbindungsstudenten, die sich bisweilen im intrakorporativen “Paulen” oder auch “Knattern” ergehen, einer Art rhetorischen Wettkampfes durch verbale Erniedrigung des Gegenübers, werden die “Muttersprüche” immer beliebter. So verfügen zahlreiche Jungakademiker über einen beeindruckenden Fundus an, teilweise sogar mit wissenschaftlichen Inhalten angereicherten und rhetorisch ausgefeilten Muttersprüchen.

Zur Charakteristik:

Die Muttersprüche sind meist auf unterem bis unterstem Niveau gehalten und gehen vor allem auf Situationen des alltäglichen jugendlichen Lebens des (Bildungs-) Prekariats ein, so dass oftmals Modernes, wie die ICQ-Nummer, in Witze verarbeitet werden. Dinge, über die sich lustig gemacht wird, sind zum einen innere Werte wie Dummheit und Billigkeit sowie Äußerlichkeiten wie z.B. Hässlichkeit, Gestank, Ungepflegtheit und Fettleibigkeit. Außerdem werden einschlägige Themen wie Armut, ein schlechter Beruf, Arbeitslosigkeit, Pay-TV oder ein Alkoholproblem thematisiert.

Dabei wird das Cliché der sozial niedriger gestellten Mutter humorisiert und persifliert. Ähnlich den Chuck-Norris-Facts werden dabei die Eigenschaften stark übertrieben und mit einer eher spießigen, kleinbürgerlichen “Normalwelt” in Vergleich gesetzt. Der Übergang zum schwarzen Humor ist dabei oft fließend.

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